Wir sitzen hier gerade im 6er-female-Dorm und ueberlegen uns, wo der Schluessel herkommt, der vor uns liegt.
Was fuer ein Schluessel? Ein Autoschluessel! UNSER Autoschluessel! Unser erstes gemeinsames Auto! Wo genau kommt eigentlich das Auto her?
Angefangen hat alles ganz harmlos … wir wollten ueben! Dass wir uns IRGENDWANN ein Auto kaufen wollten, war klar. Fuer diesen moeglichen Ernstfall wollten wir ueben, damit wir wissen, wie Auto kaufen in Australien funktioniert, wenn es mal so weit ist.
Also zogen wir los, um den Automarkt in Perth abzuchecken. Schnell war klar, dass wir uns auf serioese Autohaendlier nicht verlassen wollten. Die sehen naemlich schon von weitem so aus, als ob sie deutsche Maedels ueber den Tisch ziehen wollen.
Deswegen checkten wir die Blackboards in den Hostels. Nachdem wir ein paar interessante Angebote gefunden hatten, dachten wir uns, wir rufen mal an und tun so, als ob wir interessiert waeren. Zum Ueben versteht sich – ein Auto wirklich kaufen wollten wir erst in ein paar Wochen!
Noch am gleichen Abend hatten wir unser erstes Date.
Aber auch ueben will gelernt sein. Eine Check-Liste musste her und da stand ALLES drauf, was man checken muss. Selbstgemacht natuerlich!
So ging es gut praepariert zum ersten Auto. Schon von weitem war uns klar ‚DAS ist es nicht‘! Egal, wir wollten ja ueben. Gesagt, getan – wir kamen sogar bis zur Probefahrt! Ihr wollt wissen, wie die Probefahrt ablief?
Seid froh, dass wir noch leben!
Suse: „warum faehrst du so komisch?“
Saskia: „ich fahr nicht komisch!“
Suse: „warum faehrst du dann nicht gerade aus?“
Saskia: „geht nicht, das Auto faehrt von alleine!“
Suse: „gib wenigstens mal gleichmaessig Gas!“
Saskia: „geht auch nicht, ich geb ueberhaupt gar kein Gas!“
Die beiden deutschen Maedels mussten wir leider enttaeuschen – DIESES Auto wollten wir nicht!
Auch das naechste Auto machte uns nicht gluecklich. Suse wollte einfach kein Auto haben, dass aelter als sie ist!
Mittlerweile hatten wir Routine und machten uns auf zum naechsten Auto.
Endlich keine deutschen Verkaeufer (unser Tip: kauft niemals Autos von Deutschen), sondern ein schwedisches Paerchen – Allan und seine Freundin.
Eigentlich waren wir immer noch im Kauftraining. Aber man kann Frauen beim Shoppen auch nicht nur anprobieren lassen.
Wir waren verliebt!
Wir checkten es von innen … wir checkten es von aussen … wir checkten die Campingausruestung … und es passte!
Kennt ihr das Gefuehl, wenn ihr im Laden Schuhe anprobiert und es sich anfuehlt, als waeren sie schon perfekt eingelaufen?
So ging es uns bei der Probefahrt!
Trotz aller Liebe wollten wir uns aber nicht darauf verlassen, was die beiden uns erzaehlten.
Am naechsten Tag folgte ein Marathon bei 40 Grad durch die gesamte Stadt. Unsere Wege fuehrten uns zum australischen ADAC, zur Registrierungsstelle und in die Werkstatt. Alles zu Fuss!
Wir lernten, wie man in Australien ein Auto anmeldet, wie man mit Hilfe des Hubraums die Kilometerlaufleistung ausrechnet und vor allem, was Hubraum auf Englisch heisst.
Auto kaufen auf Englisch ist gar nicht sooo einfach!
Es passte halt immer noch alles!
Zwei Tage spaeter sassen wir bei Allan und seiner Freundin im Hostel und versuchten, mit Hilfe des dictionary australische Papiere auszufuellen.
Die Schweden verstanden die eine Haelfte, wir die andere Haelfte. Der Kauf war perfekt und der Preis war der, den WIR wollten – nicht der, den die Schweden wollten!
(Viele Gruesse an Jesse, Liam, Basti und Jan … WIR haben erfolgreich gehandelt!)
So … jetzt ist der blaue Ford Falcon, den wir ‚Blinky‘ getauft haben unser Baby.
Richtig gute Eltern sind wir aber noch nicht. Wir koennen ihm weder ein Dach ueber dem Kopf , noch einen Schlafplatz bieten.
Wir haben keinen Parkplatz!
Wir haben keinen Parkplatz!
Nach 2 Tagen harter Suche durch ganz Perth und alle Suburbs hatten wir es geschafft … der Parkplatz war da und wir konnten Blinky endlich abholen.
(In Perth gibt es WIRKLICH keine dauerhaften Parkplaetze! Wir waren schon kurz davor, Blinky auf einen 2-Stunden-Parkplatz zu stellen, denn da haetten wir ihn ‚nur‘ 12x am Tag umparken muessen. Die kuerzeren Parkplaetze haetten nicht in den Zeitplan gepasst!)
5 Zugstationen weiter auf der anderen Seite des Rivers wollten wir Blinky nun uebernachten lassen. Fuersorglich wie wir sind, gaben wir ihm noch ein paar gute Tips mit auf den Weg. Nicht weglaufen und nicht mit fremden Maennern mitgehen!
Und daran hielt er sich! 2 Tage spaeter stand er noch treu auf seinem Parkplatz … allerdings mit Post fuer uns:
Nach dem ersten Schreck viel uns auf ‚kein Wunder, Blinky hat keine Nummernschilder‘!
Den an die Scheibe tapezierten DinA4-Zettel nahmen wir allerdings nicht soo ernst, immerhin durfte Blinky so stehen …
Sagte die Frau auf der Registrierungsstelle, denn dort hatten wir uns die Erlaubnis dafuer erkauft!
Trotzdem etwas nervoes versuchten wir den Zettel abzukratzen und fuehlten uns beim Zurueckfahren ohne Nummernschilder ein bisschen wie Bonny und Clyde.
Besser fuehlten wir uns erst in der Werkstatt, wo Blinky seine Schoenheits-OP bekommen sollte … bis wir hoerten, dass der Spass auf einmal 400$ mehr als ausgemacht kosten sollte.
Suse: „der andere hat aber gesagt, es kostet nur 500$!“
Mechaniker: „wer hat das denn gesagt?“
Suse: „keine Ahnung, ein anderer“
Saskia: „laechel nochmal bisschen nett!“
Mechaniker: „ ich frag mal nach“
5 Minuten spaeter …
Boss: „ok Maedels, ihr bekommt die Reparatur fuer 500$“
Am naechsten Tag konnten wir Blinky fertig gepimpt abholen!
Wir hatten wohl so nett gelaechelt, dass er uns den notwendigen Check fuer die Registrierung auch schon hatte machen lassen und wir uns den Weg durch die halbe Stadt sparen konnten. Ausserdem bot er uns sogar an, spaeter wieder zurueckzukommen, um die Nummernschilder anschrauben zu lassen.
Also ging es, uebrigens immer noch im Linksverkehr und ohne Nummernschilder, zur Registrierungsstelle.
It’s all done! Wir haben es geschafft!
Blinky ist registriert und hat endlich eigene Nummernschilder. Ausserdem haben wir eine Versicherung abgeschlossen, falls das mit dem Linksverkehr mal doch nicht so gut laeuft und sind Mitglieder im australischen ADAC, falls Blinky mal nicht auf unsere Anweisungen hoert.
Da wir rausgefunden haben, dass Blinky diesen Monat Geburtstag hat, haben wir ihn sogar verschoenert.
Die pinke Weihnachtskugel und der Weihnachtsmann, die wir am Flughafen gerettet haben, lassen Blinky ziemlich gut aussehen.
Los geht’s … nur wohin? Plaene machen wir irgendwann …
Ps: Die Glitzerschmetterlinge duerfen natuerlich auch mit!
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