Wednesday, May 18, 2011

Auf der Flucht die Ostkueste entlang

Im letzten Eintrag sind wir in Mackay an der Ostkueste angekommen. Inzwischen sind wir in Sydney. Aber was ist eigentlich dazwischen passiert?
Eigentlich ist nichts passiert ... aber wir wissen, dass ihr ja trotzdem lesen wollt, was wir erlebt haben.
Unsere Route an der Ostkueste Australiens koennen wir kurz und knapp in einem Satz zusammenfassen: Wir waren auf der Flucht!
1. Fluchtweg: raus aus Mackay auf der Flucht vor den stinkenden Maennern!
Liebe Frauen, kennt ihr den Geruch, wenn ihr morgens neben einem Mann aufwacht?
Liebe Maenner, kennt ihr den Geruch, wenn ihr morgens aufwacht und euch einfach nur auf eure Dusche freut?
Wir haben das ganz grosse Los gezogen ... wir teilten unser Zimmer gleich mit 3 Maennern. Das Fenster haben wir leider nicht dazugewonnen. Der Trostpreis dafuer waren ihre Arbeitsschuhe, die auch mit im Zimmer schlafen durften.
Unsere naechste Nacht sollte deswegen wieder an der frischen Luft auf einem Campingplatz in Rockhampton sein. Dass wir die stinkenden Maenner gegen Krokodile getauscht hatten, merkten wir erst am naechsten Morgen, als wir die Warnschilder sahen.
Also setzten wir unseren Fluchtweg fort. Erfolgreich waren wir dabei allerdings nicht ... wir landeten direkt bei den Krokodilen auf der Krokodilfarm.


Wir haben nicht nur gesehen, wie ein Krokodil geschluepft ist oder gespuert, wie es sich anfuehlt, wenn man eins auf dem Arm hat.
 
Wir wissen jetzt auch, dass in dem Fluss, an dem wir geschlafen haben, wirklich Krokodile wohnen.

Staendig auf unserer Flucht begleitet wurden wir von dem schlechten Wetter. Und wo fluechtet man als Frau hin, wenn es regnet? Ins Shoppingcenter.
In unserem Fall war das das Shoppingcenter von Bundaberg. Unser Plan war, so lange drin zu bleiben, bis das Wetter wieder besser wird. Das Ergebjnis war, dass wir uns fuer die Nacht keinen Schlafplatz mehr leisten konnten und mal wieder auf einem free Campingplatz landeten.
Die Nacht verbrachten wir dismal nicht mit stinkenden Maennern im Zimmer oder mit Krokodilen im Fluss sondern mit giftigen Kroeten vor der Toilette.
Am naechsten Tag mussten wir dann feststellen, dass es noch schlimmer geht, als giftige Kroeten vor der Toilette. In Noosa wurden wir von Touristenmassen verfolgt.
Wir schauten nach links – Hotels. Wir schauten nach rechts – noch viel viel mehr Hotels. Wir schauten nach hinten – Touristen. Wir schauten nach vorne – ganze Touristenhorden. Und wir dachten uns nu reins: ’schnell weg hier!’ Als dann auch noch das schlechte Wetter wieder dazukam, ging es auf direktem Weg weiter nach Brisbane.
Und mal wieder waren wir fasziniert von der Grossstadt. Wie in Melbourne und Perth auch, hatten wir hier alles was wir wollten.
Eine Skyline, die wir hier sogar vom Riesenrad aus bewundern konnten.
Einen River mit anschliessender Lagune, die nur leider noch wegen der zurueckliegenden Flut gesperrt war.
Und einen Park, der in diesem Fall sogar ein richtiger Regenwald mitten in der Stadt war.
Aber so schoen die Stadt auch ist ... auch hier wurden wir nicht verschont von Regen und Touristen. Diesmal ganz besondere Touristen.
Da sitzt man ganz gemuetlich am Aussichtspunkt und bewundert die Stadt und auf einmal faehrt ein Bus vor. Die Tueren gehen auf, asiatische Touristen steigen mit ihren Kameras aus und wir stehen mal wieder mitten im Bild.
Koennt ihr euch noch an die Geschichte mit den Fliegen an der Westkueste erinnern? In diesem Moment vermissten wir unser Fliegennetz, nahmen die Beine in die Hand und ergriffen die Flucht.

Unsere Woche in Brisbane beendet, fuehrte uns unsere Flucht wegen dem Regen und den Touristen direkt nach Surfers Paradise.

Weil jeder uns erzaehlte, dass Surfers Paradise das australische Lloret de Mar sei, waren wir schon auf das Schlimmste vorbereitet. Dann waren wir jedoch positiv ueberrascht. Diesmal hatten wir die von uns so oft bewunderte Skyline direkt am Meer und beschlossen, ein paar Naechte dazubleiben.
Aber auch hier war das Wetter nicht besser...ausnahmsweise war der Himmer schwarz und es regnete. Und ihr wisst ja, was man als Frau macht, wenn es regnet...man fluechtet zum Shoppen und hofft, dass das Wetter besser wird.
Wird das Wetter nicht besser, geht's zum Friseur. Wir sind allerdings nicht selber zum Friseur gegangen, sondern holten uns den Friseur direkt ins Hostel. Neben dem Pool, unter den Palmen schaffte es Sabrina, dass wir nach einem halben Jahr endlich wieder wie Menschen aussahen.
Nachdem unser Geldbeutel leer und die Tueten voll waren und wir wieder ordentlich aussahen, wurde auch endlich das Wetter etwas besser.

Das wollten wir ausnutzen und fuhren in den Lamington Nationalpark.
Haetten wir etwas nachgedacht, waere uns aufgefallen, dass dort nach so viel Regen die Trampelpfad-Verhaeltnisse nicht die besten sein koennten.Hochmotiviert entschieden wir uns durch den Matsch den 6km-Rundgang zu erkunden. Es kann ja keiner ahnen, dass die riesigen Matschloecher uns fast die Schuhe ausziehen wuerden und der Rundgang gar kein Rundgang sein wuerde, sondern uns nach 6 km mitten in der Pampa stehen lassen wuerde.
Eins wussten wir - hier hatten wir Blinky nicht geparkt!




Der nicht vorhandene Rundgang hatte sich trotzdem gelohnt...wir haben endlich ein Tier gesehen, dass wir bis dahin noch nicht gesehen hatten - eine Schlange - eine Schwarzotter. Ein bisschen giftig, wie wir danach rausfanden.
Erfolgreich vor der Schlange gefluechtet, kam dann Ostern!


Vor offiziellen Feiertagen zu fluechten ist leider gar nicht so einfach - schon gar nicht in Australien. Fluchtgruende haette es aber zur Genuege gegeben.
Unser Touristenproblem verschlimmerte sich dramatisch - ganz Australien fuhr ueber Ostern in den Urlaub an die Kueste. Erst dachten wir uns, dass das alles nicht so schlimm ist, weil montags alles wieder vorbei sein wuerde. Aber dann fiel uns auf, dass es hier auch noch den "Oster-Dienstag" gibt und sich unser Touristenproblem in die Laenge ziehen wuerde.
Haetten wir uns noch mit den Touristen abfinden koennen, haben die unglaublich hohen Preise, die sie mitsich brachten, es unbezahlbar gemacht, auf einem Campingplatz zu schlafen. Somit mussten wir 5 Ostertage auf den Parkplaetzen am Highway ueberbruecken.
Aber auch dort wurde es uns nicht langweilig. Wir hatten keinen Osterhasen, sondern eine Osterschlange - diesmal nicht giftig, aber dafuer 2 m lang.


Die Nacht zum Ostermontag verbrachten wir auf dem Parkplatz 'Sleepy Hollow'.
Morgens klingelte der Wecker, wir schauten aus dem Autofenster, sahen Wolken und Regen, drehten uns um und beschlossen, so lange weiterzuschlafen, bis wieder gutes Wetter war. Als die Sonne endlich rauskam, gab es Osterfruehstueck IM Bett und dann ging es weiter ins farbenfrohe Nimbin.
Obwohl wir nur 40km weiterfuhren, fuehlten wir uns, wie wenn wir auf dem Zeitstrahl ca. 40 Jahre zurueckgefahren waeren - angekommen 1968 im Flower-Power-Paradies.



Auf der Flucht vor einem Dorf voller benebelter Hippies, die versuchten, uns dubiose Cookies anzudrehen, ging es weiter nach Byron Bay.
Wir vermuten, dass Byron Bay ganz schoen ist. Wenn wir einen Parkplatz gefunden haetten, von dem aus es moeglich gewesen waere hinzulaufen, haetten wir es uns auch gerne angeschaut. Aber wegen der Ostertouristen verliessen wir Byron Bay wieder fluchtartig.
Und wieder landeten wir auf dem Parkplatz am Highway. Diesmal direkt neben der Ueberholspur.
Wisst ihr, wie es sich anhoert, wenn man im Bett liegt und direkt neben einem ein Auto nach dem anderen ueberholt? Und man an den Geraeuschen erkennen kann, welches Auto gerade zum Ueberholmanoever ansetzt? Statt Schafe zaehlten wir irgendwann Autos...


Ohne unser Wissen, sollte die darauffolgende Nacht komfortabler werden.
Mal wieder hatten wir einen komplett verregneten Tag erwischt und versuchten, fuer abends ein regengeschuetztes Bett aufzutreiben. Durch einen Tip landeten wir auf einer auserhalb gelegenen Rehfarm, wo wir mit Blinky gemeinsam unterm Dach haetten schlafen koennen. Mit dem was dann passierte, haben wir allerdings nicht gerechnet.
Kaum angekommen landeten wir bei Margaret, der Farmbesitzerin und ihrem Mann im Wohnzimmer. Vor uns auf dem Tisch Rehbraten, Gemueselasagne und Schwarzwaelderkirschtorte. Neben uns am Tisch, die vor 30 Jahren aus Deutschland ausgewanderte Angelika. Angelika sollte auch diejenige sein, die die naechsten Tage auf die Farm aufpassen sollte, da Margaret und ihr Mann abends fuer ein paar Tage wegfuhren.
Und Angelika sollte letztendlich auch diejenige sein, die nachts an unser Autofenster klopfte und uns heimlich ins Farmhaus einschleuste, nachdem Margaret losgefahren war.



Angelika war am naechsten Morgen auch diejenige, die uns in dem Haus, in dem sie selber nur zu Besuch war, Fruehstueck und Kaffee servierte und uns Wegverpflegung aus dem fremden Kuehlschrank mitgab.
Und Angelika musste dann auch diejenige sein, die unsere Spuren beseitigte, damit keiner merken wuerde, dass wur da waren. Ausgeschlafen und mit vollem Magen ging es weiter, um nochmal ein paar Sonnenstrahlen geniessen zu koennen. Kann ja keiner ahnen, dass es nachmittags schon wieder regnete.
Jetzt war Schluss mit lustig!
Wir hatten genug von Feiertagen, Touristen und schlechtem Wetter und traten unsere letzte Flucht an.
Auf direktem Weg fuhren wir die letzten 650 km bis Sydney.


Sollten wir nun wirklich an unserem letzten Stop hier in Australien angekommen sein?

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