Monday, April 4, 2011

Als Backpacker 'on the road'

Woran erkennt man eigentlich einen Backpacker?

Primaer zu erkennen am Kleidungsstil. 2 kurze Hosen, 5 T-Shirts, 1 Paar Flip Flops - alles bunt miteinander kombiniert, egal ob passend oder nicht. Was nicht passt, wird passend gemacht und mit Sonnenbrille sieht man sowieso gut aus. Diese wenigen Kleidungsstuecke sehen allerdings einzeln auch nicht so wirklich gut aus - Flecken und Loecher gehoeren zum Alltag.



Falls man sich jetzt noch nicht sicher ist, ob man einen Backpacker vor sich hat, schaut man sich einfach seinen Kopf an.
Maennliche Backpacker sind vor allem daran zu erkennen, dass sie mindestens einen 3-Tage-Bart oder besser gesagt einen 7-Tage-Bart haben.
An weiblichen Backpacker erkennt man an der Haarlaenge und der Splissmenge, wie lange sie schon unterwegs sind.

Wo schlaeft eigenlich ein Backpacker?

Die komfortabelste und naheliegendste Moeglichkeit ist natuerlich auf der Luftmatratze im Zelt auf einem Campingplatz. Mit Campkitchen und Duschen ist das aber auch das teuerste Vergnuegen. Schafft man es dort dann, sein Zelt gegend den Wind aufzubauen und mit Heringen im meist zu harten Boden zu befestigen, kann man sich ueber ein schuetzendes Dach ueber dem Kopf freuen. Geschuetzt wird man von diesem Dach allerdings nur, wenn man es auch aufbaut. Noerdlich ist es oft so heiss, dass nur das fliegenartige Unterzelt aufgebaut wird, als Schutz vor Insekten. Das kann unter Umstaenden nachts zu verwirrenden Situationen fuehren:
'Oh heute Nacht ist es endlich wieder angenehmer!'
'Das fuehlt sich aber gut an!'
'Haeh, haben wir einen Rasensprenkler vorm Zelt? Egal, es tut gut!'
'Moment, wo kommt eigentlich das Wasser her?'
'Warum ist das Zelt nicht mehr dicht?'
'Stimmt, wir haben gar kein Zelt aufgebaut!'
'Scheisse es regnet!'
'Egal, wenn die neben mir nicht reagiert, kann es nicht so schlimm sein!'
'Wird schon wieder aufhoeren!'
'Wobei halt, wenn es hier regnet, regnet es doch meistens richtig?!'
'Oh nein, wo ist eigentlich das Ueberzelt und warum liegen wir im Regen?'
Das Zelt ganz oder nur halb aufbauen kann man auch auf den schon bekannten Free Campgrounds, die meistens ziemlich schoen im Nationalpark oder am Meer gelegen sind. Auf Duschen muss man hier leider verzichten, dafuer hat man Plumpsklos oder gar keine Klos.
Reicht es fuer alle diese Moeglichkeiten nicht, weil man zu weit entfernt vom naechsten Campingplatz ist, bleibt nur noch ein Parkplatz am Highway. Natuerlich baut man sein Zelt nicht mitten am Highway auf, sondern schlaeft dort im Auto. Dann heisst es also Tetris Level 3 und den gesamten Inhalt aus dem Auto auf die beiden Vordersitze und in die Fussraeume verpacken. Rueckbank umklappen - 1 Decke als Unterlage - 2 Schlafsaecke drueber - noch 1 Decke - 4 Kissen drauflegen - Tueren absperren - umdrehen - schlafen.



Oder zumindest versuchen, zu schlafen. Besonders idyllisch ist es naemlich nicht, direkt am Highway. Wenn man es geschafft hat, den LKW-Laerm auszublenden, muss man sich nur noch mit den Tieren anfreunden. Zur Auswahl stehen Spinnen, Killervoegel, Fliegen und Moskitos.
Die Moskitos sind manchmal so penetrant, dass es Backpacker geben soll, die nachts aus ihrem Auto ausziehen, um ihren Schlaf auf einer Steinbank neben einer Raeucher-Moskito-Kerze direkt am Highway fortzusetzen.


 



Wie waescht sich eigentlich ein Backpacker?

Wenn alles gut laeuft, auf dem Campingplatz mit Waschbecken und Dusche. Wenn es nicht so gut laeuft, zwar mit Waschbecken und Dusche, aber leider nur mit Salzwasser aus dem Wasserhahn. Zaehneputzen ist dann besonders angenehm ... Haarewaschen macht auch wirklich Spass. Verbringt man die Nacht auf einem Free Campground oder am Highway stellen Kleinigkeiten, wie Zaehneputzen kein Problem dar.

Denn organisierte Backpacker haben schliesslich einen Wasserkanister dabei.

Beim Duschen wird das schon schwieriger. Befindet man sich in Kuestennaehe und kommt dann an einer Stadt oder einem Dorf vorbei hat man die Chance auf eine Stranddusche. Ja, es soll Backpacker geben, die sich mitten in der Stadt unter die Dusche stellen und sich die Haare waschen oder sich die Beine rasieren. Sind keine oeffentlichen Duschen in Sicht, bleibt nur noch auf dem Highway links rausfahren, Wasserflaschen raus und los geht das Badevergnuegen. Ist man auf laengeren Strecken unterwegs und hat im wasserarmen Australien keine Moeglichkeit seine Wasservorraete regelmaessig aufzufuellen bleibt nur noch eins...Duschen faellt aus!

Was isst eigentlich ein Backpacker?

Gestartet wird der Tag ausgewogen wie jeden Morgen mit Toastbrot und Marmelade. Verbringt man die Nacht auf einem Campingplatz vielleicht sogar mit Toaster.
Mittags gibt es dann Toast mit Sandwich-Kaese. Hat man Glueck und findet einen oeffentlichen Grill, ab und zu auch mal getoastet.
Abends wird dann richtig ausgepackt. Zur Verfuegung stehen 1 Campingkocher und 1 Topf...wenn es gut laeuft auch ein 2.Topf - aber trotzdem nur 1 Kocher. Was kann man also mit einem Kocher und einem Topf kochen?
Genau - Nudeln mit Tomatensosse. Aber auch damit kann man variieren. Zum Beispiel mit Dosengemuese in der Sosse. Wird einem Tomatensosse zu rot, kann man auch weisse Sosse nehmen. Man kann aber auch die Nudeln variieren oder sogar verschiedene Nudeln miteinander mischen. Kann man keine Nudeln mehr sehen, kann man sie auch durch Reis ersetzen. Den isst man dann mit Dosengemuese oder...Tomatensosse!

Wie fuehrt eigentlich ein Backpacker seinen Haushalt?

Haushalt ist vielleicht zu viel gesagt...alles was ein Backpacker besitzt, befindet sich in seinem Auto.
Trotzdem muessen Dinge, wie beispielsweise der Abwasch taeglich erledigt werden. Nur wie ohne ausreichend Wasser? Der grobe Dreck wird zuerst mit Zewa ausgeputzt und dann mit dem Wasser, aus dem Wasserkanister vorgespuelt. Dann wird alles fachgerecht in eine Plastiktuete verpackt und so lange im Auto spazieren gefahren, bis man einen Wasserhahn oder eine oeffentliche Toilette findet; die es hier zum Glueck in fast jedem Dorf gibt.
Hat man dann eine solche Toilette gefunden braucht man mindestens 5 Haende zum Spuelen. 2 Hanede zum Abspuelen, in dem Waschbecken, das nicht mal so gross, wie der Topf ist; 1 Hand, um den Wasserhahn festzuhalten, da das Wasser sonst keine fuenf Sekunden laeuft und 2 Haende zum Abtrocknen und Geschirr festhalten. Es soll allerdings Backpacker geben, die zusammen insgesamt nur 4 Haende haben...

Ist man ausnahmsweise mal wieder auf einem Campingplatz angekommen, faellt dann ab und zu ein Grosswaschtag an. Hier kann man aus der Art der Waschmaschine waehlen. Entweder man entscheidet sich fuer das etwas guenstigere Modell, das die Waesche mit Salzwassser waescht oder man investiert etwas mehr Geld und darf dann seine Waesche mit frischem Wasser waschen, aber dafuer kalt.
Ihr erinnert euch noch an die Flecken, die den Backpacker so individuell machen? Jetzt wisst ihr, wo sie herkommen!


Warum tut sich das ein Backpacker eigentlich an?

Auf den ersten Blick hoert sich das jetzt vielleicht etwas unangenehm an. Davon kann aber keine Rede sein, da man jeden Tag so viele Dinge erlebt und so viele Eindruecke sammelt. Auch der Spassfaktor kommt bei diesem etwas anderen Leben natuerlich nie zu kurz.
Also heisst es jeden Morgen voller Vorfreude ins Auto steigen und warten, was der Tag so bringt.



On the road again!

1 comment:

  1. Richtig cool geschrieben und genau das was ich gesucht hab ! Freu mich auf meine backpackerzeit !

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