29.05.2011 und wir sitzen im Flugzeug Richtung nach Hause und hoffentlich geht alles gut, weil zu Hause weiss keiner, dass wir bereits heute schon im Flugzeug sitzen. Jeder denkt, dass wir erst in 3 Tagen starten und keiner rechnet damit, dass wir morgen schon vor der Tuer stehen.
In 21 Stunden werden wir also wieder deutschen Boden unter den Fuessen haben. Davor warten allerdings noch 3x Abendessen, 1x Fruehstueck, 5x Kaffee, 1x Eis, 2x heisse Schokolade und ganz viele Snacks zwischendurch auf uns. Ihr seht, auch ueber den Wolken muss keiner verhungern.
Diesmal haben wir es ohne Komplikationen an den Flughafen geschafft und sind puenktlich gestartet. Der einzige Fehler: Wir haetten gar nicht drin sitzen sollen.
Drin sitzen tun wir aber jetzt trotzdem und das Flugzeug verlaesst mit uns gemeinsam Australien...
Waren wir wirklich dort und was ist eigentlich die letzten Monate passiert?
Angefangen hat alles, als Saskia auf einmal bei Suse in Melbourne vor der Arbeit stand. Von diesem Tag an sollten wir die naechsten Wochen und Monate gemeinsam verbringen.
Die erste Zeit verbrachten wir erstmal gemeinsam im Elephant in Room 101.
Da wir so viele Freunde gefunden haben und ein sehr familiaeres Leben im Hostel fuehrten, wurde unser Aufenthalt in Melbourne laenger und laenger …
Neben dem Arbeiten gab es auch zahlreiche Geburtstage, Weihnachtsvorbereitungen, Plaetzchen backen im Kuehlschrank, dekorieren von unserem Weihnachtsbaum Knut, Weihnachtsessen im Basement, Bescherung am Strand, Silvester auf dem Federation Square, gemeinsames kochen und Familienessen an einem Tisch, zahlreiche Basement-Montage mit Party und naechtlichem BBQ und viele Mittwoch-Abende in der Turfbar.
Auch ein Kurzurlaub mit Nina ueber die Great Ocean Road und somit unser erstes Erlebnis im Linksverkehr durfte nicht fehlen.
Am 20.01.2011 hiess es dann auch fuer uns Abschied von Melbourne und den Menschen , die wir kennengelernt haben, zu nehmen. Und auf ging es mit der Faehre nach Tasmanien. Einmal mit Jan in seinem Auto rum um die Insel, wieder auf die Faehre und zurueck nach Melbourne.
Nun ging es direkt weiter mit Tiger Airways und 13 Kg Uebergepaeck nach Perth.
Dort durften wir uns ueber unseren Familienzuwachs Blinky freuen.
Nachdem unser Blinky teuer genug war, ging es mit Daniel gemeinsam Richtung Sueden nach Manjimup ins Working Hostel zum Trauben ernten.
Zwischendurch wurde am Indischen Ozean mit selbstgebackenem Kuchen und Picknick Saskias Geburtstag gefeiert.
Von Manjimup fuhren wir ueber Perth weiter die Westkueste nach oben.
Mit dem Sandboard die Duenen runter, an den Pinnacles vorbei, mit dem Quad durch den Nationalpark und dem Schnorchel zu den Haien und den Schildkroeten bis hoch nach Exmouth.
Wegen der Regenzeit mussten wir wieder umdrehen und ueber den Sueden quer durch den kompletten Kontinent an die Ostkueste fahren.
Auf der Flucht vor dem Regen, an den Touristenmassen vorbei, mit einem Zwischenstop in Brisbane trieb es uns auf direktem Weg nach Sydney.
Dort angekommen zogen wir das letzte Mal fuer laenger in ein Hostel ein, tauschten Blinky gegen Flugtickets fuer einen Kurztrip zurueck nach Melbourne und mussten anschliessend unser gesamtes Leben, dass sich in den letzten Monaten angesammelt hatte, in unsere Rucksaecke verpacken.
Unser letzter Weg fuehrte uns zum Flughafen...
Jetzt sind wir also kurz vor Frankfurt, denken an die Menschen, die wir dort kennengelernt haben und die gemeinsam erlebte Zeit und sind uns sicher, dass wir irgendwann wieder zurück kommen werden...
Nachdem wir in Melbourne so lange im Elephant gewohnt hatten, war fuer uns klar, dass wir auch in Sydney, fuer unsere letzten vier Wochen in Australien wieder ins Elephant einchecken wuerden.
Und an was erkennt man nun, dass man wirklich wieder im Elephant wohnt?
Die Fenster schliessen nicht richtig, im Aufenthaltsraum laufen verdaechtig viele Kakerlaken rum, der Aufzug faehrt nur, wenn er fahren will, die Herdplatten funktionieren nur zur Haelfte, funktionierende Toepfe und Pfannen existieren kaum und in den Kuehlschraenken herrscht voelliges Chaos.
Jetzt fragt ihr euch mit Sicherheit, warum wir hier freiwillig wohnen?!
Wie immer geben wir euch die selbe Antwort - es sind die netten Menschen um uns rum!
Da das Elephant zu den guenstigsten Hostels gehoert, laedt es dazu ein, dort einzuchecken, wenn man vor hat, laenger in der Stadt zu bleiben.
Was heisst das, wenn man drin wohnt?
Man lernt seine Mitbewohner sehr gut kennen und verbringt meistens eine laengere Zeit miteinander. So auch mit unseren Zimmergenossen.
Unser 8er-Zimmer teilten wir unter anderem mit den beiden deutschen Lisas und den beiden Schweden Henric und Simon. Weil wir uns so gut verstanden hatten, beschlossen wir, fuer die Zeit, die wir noch im Elephant verbringen wollten, weiterhin das Zimmer zu teilen.
Der Plan war ganz gut, alles haette auch ganz harmonisch werden koennen, wenn nicht das Management uns einen Zettel an die Tuer geklebt haette, dass wir umgehend ausziehen muessen. Wir waren uns sehr sicher, dass der einzige Grund fuer unsere Evakuierung die Maus war, die in unserem Zimmer wohnte, ohne Miete zu zahlen.
Was hiess das fuer Zimmer 211?
8 Menschen mussten umziehen - 8 Menschen mussten ihr Leben organisieren - 8 Menschen mussten alles, was sie besitzen in Taschen und Rucksaecke verpacken und 8 Menschen mussten das auf etwa 15 qm gleichzeitig tun!
Damit, dass dann am naechsten Tag kein neues Zimmer fuer uns fertig war und unsere Betten einfach abgebaut wurden, hatten wir allerdings nicht gerechnet. Damit, dass wir dann nach langem Hin und Her im schlechtesten Zimmer vom ganzen Hostel landeten, das eiskalt, laut, dunkel und klein war und dann nochmal umziehen mussten, hatten wir noch weniger gerechnet. Dass wir dann im neuen Zimmer von den alten Mitbewohnern getrennt waren, passte auch nicht in den Plan. Nach erneutem Aufstand erreichten wir dann endlich was wir wollten. Alle zusammen wohnen wir jetzt nach erneutem Umzug wieder im vertrauten Chaos in einem grossen und hellen 8er-Zimmer.
Auch wenn das Elephant aehnlich dem anderen Elephant ist, ist Sydney nicht gleich aehnlich den anderen australischen Grossstaedten.
Das erste Mal war es fuer uns anders, wieder in die Grossstadt zu kommen.
Lag es daran, dass Sydney unsere letzte Grossstadt ist? lag es daran, dass die Stadt so gross und so wahnsinnig hektisch ist? Und lag es dann vielleicht daran, dass der River fehlt und es keinen anderen richtig schoenen Platz gibt, um zur Ruhe zu kommen? Oder lag es vielleicht einfach nur daran, dass wir nicht objektiv sind?
Denn natuerlich hat Sydney auch seine schoenen Seiten.
Am bekanntesten sind da natuerlich das Opernhaus und die Harbour Bridge.
Nicht ganz so touristisch sind die botanischen Gaerten. Es ist einfach faszinierend mitten einem riesigen Park zu stehen und immer noch den Blick auf die Skyline zu haben.
Aber eigentlich sind wir nicht nach Sydney gekommen, um im Grossstadttrubel zu versinken, sondern um Blinky zu verkaufen!
3 Monate gemeinsame Wege, gemeinsames Wohnen und gemeinsames Sight-Seeing waren vorbei und die Entscheidung war gefallen. Blinky und wir sollten getrennte Wege gehen. Wir waren auf der Suche nach neuen Eltern.
Nach zwei Wochen hatten wir es geschafft und unserer Meinung nach die besten Eltern fuer Blinky ausgewaehlt.
Selbst 1600$ bezahlt, gaben wir Blinky fuer 1850$ in die Haende von zwei Hollaendern und einem Deutschen.
Nun ist es auch endlich an der Zeit Blinkys und unser kleines Geheimnis zu lueften. Nachdem wir 17.000 km gemeinsam gefahren waren, verkauften wir Blinky im Alter von 15 Jahren mit stolzen 433.428 km!
Und was machen Saskia und Suse, wenn sie Geld in der Hand haben?
Sie fliegen spontan zum Hallo sagen nach Melbourne!
Einmal wollten wir nochmal in die Stadt zurueck, in der wir uns so lange so wohl gefuehlt haben und nochmal in dem Hostel einchecken, in dem wir so lange gewohnt haben. Wir wollten uns nochmal mit den Menschen treffen, von denen wir dachten, dass wir sie nie wieder sehen wuerden und noch einmal auf dem Federation Square sitzen und vom River aus die fuer uns persoenlich schoenste Skyline bewundern. Natuerlich durften auch Cupcakes und Spanish Doughnuts nicht fehlen.
Nachdem wir ueber den halben Kontinent gefahren sind und in so vielen unbequemen Hostelbetten geschlafen haben, koennen wir jetzt mit Sicherheit sagen, dass das Elephant in Melbourne die gemuetlichsten Betten in ganz Australien hat. Gute Matratzen, weisse und saubere Bettwaesche und vor allem eine richtige Bettdecke.
Das laedt geradezu dazu ein auszuschlafen...
Haetten wir nicht eigentlich um 3.00 Uhr aufstehen muessen, um unseren Rueckflug nach Sydney zu erwischen...
'Endlich wieder ein bequemes Bett! Wie lang kann ich eigentlich noch schlafen? Oh scheisse, in 5 Minuten faehrt der Shuttle-Bus! Wieso hat mein Wecker vor 1,5 Stunden eigentlich nicht geklingelt?! Und was ist eigentlich mit Suse? Warum schlaeft die auch noch? Und warum hat ihr Wecker auch nicht geklingelt?!'
Natuerlich hatten unsere Wecker geklingelt und wir hatten trotzdem weitergeschlafen!
Innerhalb von 10 Minuten schafften wir es, fertig zu packen, auszuchecken und im Taxi Richtung Flughafen zu sitzen.
Dort angekommen merkten wir, dass sich die ganze Hektik gar nicht gelohnt hatte, denn es wartete schon eine neue Katastrophe auf uns!
Nachdem keine wusste wohin und wann es weitergeht, konnten nach 5 Stunden warten endlich wieder ins Flugzeug einsteigen. (Ja, wir haben uns die Sicherheitsvorkehrungen zum 3. Mal angehoert!)
Mit etwa 6-stuendiger Verspaetung haben wir den Flug mit Tiger Airways tatsaechlich ueberlebt.
Zurueck in Sydney, zurueck ins Elephant, zurueck zu den Menschen, die auch diesmal wieder auf uns warteten.
Unsere letzten Tage in Sydney und somit auch in Australien sind angebrochen...
Wir sind gespannt, wie unsere Australienreise zu Ende geht und welche Ueberraschungen unser letzter Flug mit sich bringen wird.
Im letzten Eintrag sind wir in Mackay an der Ostkueste angekommen. Inzwischen sind wir in Sydney. Aber was ist eigentlich dazwischen passiert?
Eigentlich ist nichts passiert ... aber wir wissen, dass ihr ja trotzdem lesen wollt, was wir erlebt haben.
Unsere Route an der Ostkueste Australiens koennen wir kurz und knapp in einem Satz zusammenfassen: Wir waren auf der Flucht!
1. Fluchtweg: raus aus Mackay auf der Flucht vor den stinkenden Maennern!
Liebe Frauen, kennt ihr den Geruch, wenn ihr morgens neben einem Mann aufwacht?
Liebe Maenner, kennt ihr den Geruch, wenn ihr morgens aufwacht und euch einfach nur auf eure Dusche freut?
Wir haben das ganz grosse Los gezogen ... wir teilten unser Zimmer gleich mit 3 Maennern. Das Fenster haben wir leider nicht dazugewonnen. Der Trostpreis dafuer waren ihre Arbeitsschuhe, die auch mit im Zimmer schlafen durften.
Unsere naechste Nacht sollte deswegen wieder an der frischen Luft auf einem Campingplatz in Rockhampton sein. Dass wir die stinkenden Maenner gegen Krokodile getauscht hatten, merkten wir erst am naechsten Morgen, als wir die Warnschilder sahen.
Also setzten wir unseren Fluchtweg fort. Erfolgreich waren wir dabei allerdings nicht ... wir landeten direkt bei den Krokodilen auf der Krokodilfarm.
Wir haben nicht nur gesehen, wie ein Krokodil geschluepft ist oder gespuert, wie es sich anfuehlt, wenn man eins auf dem Arm hat.
Wir wissen jetzt auch, dass in dem Fluss, an dem wir geschlafen haben, wirklich Krokodile wohnen.
Staendig auf unserer Flucht begleitet wurden wir von dem schlechten Wetter. Und wo fluechtet man als Frau hin, wenn es regnet? Ins Shoppingcenter.
In unserem Fall war das das Shoppingcenter von Bundaberg. Unser Plan war, so lange drin zu bleiben, bis das Wetter wieder besser wird. Das Ergebjnis war, dass wir uns fuer die Nacht keinen Schlafplatz mehr leisten konnten und mal wieder auf einem free Campingplatz landeten.
Die Nacht verbrachten wir dismal nicht mit stinkenden Maennern im Zimmer oder mit Krokodilen im Fluss sondern mit giftigen Kroeten vor der Toilette.
Am naechsten Tag mussten wir dann feststellen, dass es noch schlimmer geht, als giftige Kroeten vor der Toilette. In Noosa wurden wir von Touristenmassen verfolgt.
Wir schauten nach links – Hotels. Wir schauten nach rechts – noch viel viel mehr Hotels. Wir schauten nach hinten – Touristen. Wir schauten nach vorne – ganze Touristenhorden. Und wir dachten uns nu reins: ’schnell weg hier!’ Als dann auch noch das schlechte Wetter wieder dazukam, ging es auf direktem Weg weiter nach Brisbane.
Und mal wieder waren wir fasziniert von der Grossstadt. Wie in Melbourne und Perth auch, hatten wir hier alles was wir wollten.
Eine Skyline, die wir hier sogar vom Riesenrad aus bewundern konnten.
Einen River mit anschliessender Lagune, die nur leider noch wegen der zurueckliegenden Flut gesperrt war.
Und einen Park, der in diesem Fall sogar ein richtiger Regenwald mitten in der Stadt war.
Aber so schoen die Stadt auch ist ... auch hier wurden wir nicht verschont von Regen und Touristen. Diesmal ganz besondere Touristen.
Da sitzt man ganz gemuetlich am Aussichtspunkt und bewundert die Stadt und auf einmal faehrt ein Bus vor. Die Tueren gehen auf, asiatische Touristen steigen mit ihren Kameras aus und wir stehen mal wieder mitten im Bild.
Koennt ihr euch noch an die Geschichte mit den Fliegen an der Westkueste erinnern? In diesem Moment vermissten wir unser Fliegennetz, nahmen die Beine in die Hand und ergriffen die Flucht.
Unsere Woche in Brisbane beendet, fuehrte uns unsere Flucht wegen dem Regen und den Touristen direkt nach Surfers Paradise. Weil jeder uns erzaehlte, dass Surfers Paradise das australische Lloret de Mar sei, waren wir schon auf das Schlimmste vorbereitet. Dann waren wir jedoch positiv ueberrascht. Diesmal hatten wir die von uns so oft bewunderte Skyline direkt am Meer und beschlossen, ein paar Naechte dazubleiben.
Aber auch hier war das Wetter nicht besser...ausnahmsweise war der Himmer schwarz und es regnete. Und ihr wisst ja, was man als Frau macht, wenn es regnet...man fluechtet zum Shoppen und hofft, dass das Wetter besser wird.
Wird das Wetter nicht besser, geht's zum Friseur. Wir sind allerdings nicht selber zum Friseur gegangen, sondern holten uns den Friseur direkt ins Hostel. Neben dem Pool, unter den Palmen schaffte es Sabrina, dass wir nach einem halben Jahr endlich wieder wie Menschen aussahen.
Nachdem unser Geldbeutel leer und die Tueten voll waren und wir wieder ordentlich aussahen, wurde auch endlich das Wetter etwas besser. Das wollten wir ausnutzen und fuhren in den Lamington Nationalpark.
Haetten wir etwas nachgedacht, waere uns aufgefallen, dass dort nach so viel Regen die Trampelpfad-Verhaeltnisse nicht die besten sein koennten.Hochmotiviert entschieden wir uns durch den Matsch den 6km-Rundgang zu erkunden. Es kann ja keiner ahnen, dass die riesigen Matschloecher uns fast die Schuhe ausziehen wuerden und der Rundgang gar kein Rundgang sein wuerde, sondern uns nach 6 km mitten in der Pampa stehen lassen wuerde.
Eins wussten wir - hier hatten wir Blinky nicht geparkt!
Der nicht vorhandene Rundgang hatte sich trotzdem gelohnt...wir haben endlich ein Tier gesehen, dass wir bis dahin noch nicht gesehen hatten - eine Schlange - eine Schwarzotter. Ein bisschen giftig, wie wir danach rausfanden.
Erfolgreich vor der Schlange gefluechtet, kam dann Ostern!
Vor offiziellen Feiertagen zu fluechten ist leider gar nicht so einfach - schon gar nicht in Australien. Fluchtgruende haette es aber zur Genuege gegeben.
Unser Touristenproblem verschlimmerte sich dramatisch - ganz Australien fuhr ueber Ostern in den Urlaub an die Kueste. Erst dachten wir uns, dass das alles nicht so schlimm ist, weil montags alles wieder vorbei sein wuerde. Aber dann fiel uns auf, dass es hier auch noch den "Oster-Dienstag" gibt und sich unser Touristenproblem in die Laenge ziehen wuerde. Haetten wir uns noch mit den Touristen abfinden koennen, haben die unglaublich hohen Preise, die sie mitsich brachten, es unbezahlbar gemacht, auf einem Campingplatz zu schlafen. Somit mussten wir 5 Ostertage auf den Parkplaetzen am Highway ueberbruecken. Aber auch dort wurde es uns nicht langweilig. Wir hatten keinen Osterhasen, sondern eine Osterschlange - diesmal nicht giftig, aber dafuer 2 m lang.
Die Nacht zum Ostermontag verbrachten wir auf dem Parkplatz 'Sleepy Hollow'.
Morgens klingelte der Wecker, wir schauten aus dem Autofenster, sahen Wolken und Regen, drehten uns um und beschlossen, so lange weiterzuschlafen, bis wieder gutes Wetter war. Als die Sonne endlich rauskam, gab es Osterfruehstueck IM Bett und dann ging es weiter ins farbenfrohe Nimbin. Obwohl wir nur 40km weiterfuhren, fuehlten wir uns, wie wenn wir auf dem Zeitstrahl ca. 40 Jahre zurueckgefahren waeren - angekommen 1968 im Flower-Power-Paradies.
Auf der Flucht vor einem Dorf voller benebelter Hippies, die versuchten, uns dubiose Cookies anzudrehen, ging es weiter nach Byron Bay. Wir vermuten, dass Byron Bay ganz schoen ist. Wenn wir einen Parkplatz gefunden haetten, von dem aus es moeglich gewesen waere hinzulaufen, haetten wir es uns auch gerne angeschaut. Aber wegen der Ostertouristen verliessen wir Byron Bay wieder fluchtartig. Und wieder landeten wir auf dem Parkplatz am Highway. Diesmal direkt neben der Ueberholspur. Wisst ihr, wie es sich anhoert, wenn man im Bett liegt und direkt neben einem ein Auto nach dem anderen ueberholt? Und man an den Geraeuschen erkennen kann, welches Auto gerade zum Ueberholmanoever ansetzt? Statt Schafe zaehlten wir irgendwann Autos...
Ohne unser Wissen, sollte die darauffolgende Nacht komfortabler werden. Mal wieder hatten wir einen komplett verregneten Tag erwischt und versuchten, fuer abends ein regengeschuetztes Bett aufzutreiben. Durch einen Tip landeten wir auf einer auserhalb gelegenen Rehfarm, wo wir mit Blinky gemeinsam unterm Dach haetten schlafen koennen. Mit dem was dann passierte, haben wir allerdings nicht gerechnet. Kaum angekommen landeten wir bei Margaret, der Farmbesitzerin und ihrem Mann im Wohnzimmer. Vor uns auf dem Tisch Rehbraten, Gemueselasagne und Schwarzwaelderkirschtorte. Neben uns am Tisch, die vor 30 Jahren aus Deutschland ausgewanderte Angelika. Angelika sollte auch diejenige sein, die die naechsten Tage auf die Farm aufpassen sollte, da Margaret und ihr Mann abends fuer ein paar Tage wegfuhren. Und Angelika sollte letztendlich auch diejenige sein, die nachts an unser Autofenster klopfte und uns heimlich ins Farmhaus einschleuste, nachdem Margaret losgefahren war.
Angelika war am naechsten Morgen auch diejenige, die uns in dem Haus, in dem sie selber nur zu Besuch war, Fruehstueck und Kaffee servierte und uns Wegverpflegung aus dem fremden Kuehlschrank mitgab. Und Angelika musste dann auch diejenige sein, die unsere Spuren beseitigte, damit keiner merken wuerde, dass wur da waren. Ausgeschlafen und mit vollem Magen ging es weiter, um nochmal ein paar Sonnenstrahlen geniessen zu koennen. Kann ja keiner ahnen, dass es nachmittags schon wieder regnete. Jetzt war Schluss mit lustig! Wir hatten genug von Feiertagen, Touristen und schlechtem Wetter und traten unsere letzte Flucht an. Auf direktem Weg fuhren wir die letzten 650 km bis Sydney.
Sollten wir nun wirklich an unserem letzten Stop hier in Australien angekommen sein?
“Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist blau...”
“Der Himmel!”
“Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist gruen...”
“Der Baum!”
“Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist gelb...”
“Das Verkehrsschild!”
“Ich sehe was, was du nicht siehst und das geht geradeaus...”
“Die Strasse!”
Ihr merkt schon, uns war ziemlich langweilig. Koennen wir kurz klaeren, warum uns eigentlich langweilig war? Und koennen wir dann noch klaeren, wo wir ueberhaupt gewesen sind? Wir versuchten irgendwie vom Westen Australiens in den Osten zu kommen.
Vorgenommen hatten wir uns cirka 6500 km auf die andere Seite des Kontinents zu fahren; das genaue Ziel war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.
Wie genau wollten wir das machen?
Auf Strassen, die durchs Nichts fuehren und groesstenteils nur geradeaus gehen. Unter anderem die laengste Geradeaus-Strecke Australiens. 146 km auf denen einfach nichts passiert.
Stellt euch vor, ihr setzt euch daheim ins Auto, drueckt aufs Gas und bewegt dann das Lenkrad keinen Milimeter mehr.
Wo kommt ihr raus?
Wir durften eine Kurve fahren und landeten dann auf der naechste Strecke, die geradeaus ging.
Da kann einem schon mal langweilig werden, wenn man weiss, dass sich die Situation die ganze naechste Woche nicht aendern wird. Also versuchten wir, das Beste daraus zu machen und uns erstmal mit typischen Dingen, wie ‘Ich sehe was, was du nicht siehst’ oder Kreuzwortraetsel zu beschaeftigen. Fuer 5 Minuten waren wir gluecklich, bis wir eine bessere Idee hatten.
“rote 5”
“Ich kann nicht”
“Ok ich hab eine ‘2-Ziehen’ gelegt”
“Wenn ich noch mehr Karten ziehen muss, kann ich das Lenkrad nicht mehr festhalten”
“UNO”
Halten und lenken ging nicht so gut, nach der naechsten Kurve war Schluss mit UNO. Wir uebten Mathe – wir zaehlten alles, was wir sahen. Da wir beide nicht so gut in Mathe sind, kann das nicht viel gewesen sein.
Uns kamen 9 Oversize-Fahrzeuge entgegen. Was heisst Oversize? Oversize heisst, ein Fahrzeug, das mindestens zwei Fahrbahnen braucht.
Ja auch die, auf der wir fahren. Also heisst das fuer uns, so schnell wie moeglich irgendwie runter von der Strasse und schauen, was vorbeifaehrt. Haeuser und Schiffe, die an einem vorbei fahren, sind da nicht so ungewoehnlich.
Etwas ungewoehnlicher ist es dann schon, wenn einem mitten auf dem Highway ein Jogger entgegen kommt. Wir stellten uns die Frage, ‘wo kommt er eigentlich her?’, weil wir vor morgen in keinem Ort ankommen werden. Und vorallem ‘wo will er eigentlich hin?’, im letzten Ort waren wir naemlich gestern.
Auf dem Weg zum naechsten Ort, der 200 km entfernt war, zaehlten wir entgegenkommende Autos. Auf 200 km trafen wir 4 Autos!!
Ausserdem sahen wir 8 Zebrastreifen mitten auf dem Highway. Wir hielten an und schauten nach links...kein Fussgaenger. Wir schauten nach rechts...auch kein Fussgaenger. Wo sollten die auch herkommen, mitten im Nichts?!
Eigentlich warteten die Zebrastreifen auch nicht auf Fussgaenger, sondern auf Flugzeuge. Wir haben die Flugzeug-Notlandeplaetze mitten im Outback gefunden.
Bei so einem riesengrossen Land, mit so viel Nichts, ist es auch kein Wunder, dass man Notlandeplaetze braucht.
Auf unserer Reise von West nach Ost merkten wir, wie gross dieses Land wirklich ist. Wir kreuzten 3 Grenzen und machten ziemlich grosse Spruenge auf der Uhr.
Angefangen hat alles ganz harmlos, als Deutschland auf Sommerzeit umstellte und unser Zeitabstand nach Hause sich um eine Stunde verringerte. Dass wir hier gegen die Zeit fuhren und unsere australische Uhr um 45min vorstellen mussten haben wir ja auch noch hinbekommen. Die naechste Zeitzone, die unsere Uhr um 1h 45min nach vorne verstellte, fing dann schon an uns etwas zu verwirren. Als wir dann weiterfuhren und die Uhr nochmal um 30min vorstellen mussten und Australien am naechsten Tag dann auch noch auf Winterzeit umstellte, kamen wir gar nicht mehr mit unserem Leben klar.
5 Zeitumstellungen in einer Woche waren einfach zu viel fuer uns!
Nicht nur die Zeitumstellung verwirrte uns, sondern auch die Masse an Tieren, die man innerhalb einer Woche treffen kann.
Los ging es mit einem Kakadu-Schwarm vor uns auf der Strasse. Normalerweise hauen Voegel freiwillig ab, wenn wir durchfahren wollen. Dass ausgerechnet diese Voegel nicht schnell genug waren, konnten wir ja nicht ahnen. Und dass einer von ihnen sich auch noch an unserer Autoantenne umbrachte, war dann nicht nur Pech fuer den Vogel, sondern auch fuer uns. Wir koennen jetzt kein Radio mehr hoeren, dafuer hat der tote Kakadu ein neues Piercing.
Wenig entspannt sollte es in der folgenden Nacht weitergehen. Wir hatten Besuch und das nachts um 2!
Suse: “Du, ich glaub da ist eine Maus in der Autoverkleidung.”
Saskia: “Jaja, ich sehe nachts auch immer Kaengurus.”
Suse: “Du, ich glaub da ist wirklich eine.”
Saskia: “Scheisse, ich glaub du hast Recht. Was machen wir denn jetzt?”
Um uns nicht noch mehr Besucher einzufangen und diesen speziellen Gast womoeglich zu verlieren, haben wir uns entschieden, den Parkplatz zu wechseln. Am naechsten Morgen hatten wir die Maus schon fast wieder vergesen, bis wir sie beim Oel nachfuellen in der Motorhaube trafen.
Unser Plan: schnell umpacken und losfahren, bevor sie wieder einsteigt und falls doch, sie im Motor zu grillen.
Das Umpacken ging leider nicht ganz so schnell, da sich ein zweiter Besucher im Kofferraum eingeschlichen hatte. 8 Beine, viele Haare und etwa so gross wie unsere Handflaeche ohne Finger. Mit dem Sonnenschirm nahmen wir den Kampf gegen die Riesen-Spinne auf und gewannen natuerlich.
Ohne Spinne und hoffentlich auch ohne Maus konnte es weitergehen.
Nach dieser harten Nacht und dem schlechten Start in den Tag, freuten wir uns die ganze Weiterfahrt ueber auf das Abendessen und hielten uns mit dem Gedanken an Schmetterlingsnudeln und Creamy-Tomato-Sosse bei Laune. Abends auf dem Parkplatz angekommen hiess es Kocher und Topf raus – Nudelwasser rein – Topf auf den Kocher und los geht’s. Doch schon nach kurzer Zeit war Schluss mit lustig – unser Gaskocher brannte! Auch beim zweiten Versuch brannte er immer noch!
Wisst ihr, wie man sich fuehlt, wenn man sich den ganzen Tag aufs Essen freut und die einzige Kochmoeglichkeit dann in Flammen aufgeht und einem mitten in der Pampa auch noch das Toastbrot ausgegangen ist?
Zum Glueck war das die erste, seit vielen Naechten, in der wir Nachbarn hatten. Mit Topf und Nudeln unter dem Arm wurden wir herzlich im australischen Wohnwagen aufgenommen. So kamen wir doch noch zu unserem lang ersehnten Abendessen.
Die darauffolgende Nacht kann man dann wohl als Ruhe vor dem Sturm bezeichnen. Leckeres Essen, keine Tiergeraeusche und erholsamer Schlaf.
Dies sollte fuer die naechsten Tage die letzte Nacht mit erholsamen Schlaf werden.
Schon fast in Vergessenheit geraten war unsere Maus wieder da!
Das Knabbern vor dem Beifahrersitz konnte man sich ja noch einbilden – das Knabbern unter unseren Koepfen aber nicht! Jetzt waren wir uns sicher, diesmal sass sie nicht in der Autoverkleidung, sondern mit uns gemeinsam IM Auto!
Eins war uns klar, mit Maus unter dem Kopfkissen konnten wir schlafen vergessen.
Was also tun, im Dunkeln alleine auf einem Parkplatz? Wir zogen aus...mit Schlafsack und Fleece-Decke warteten wir bei 11 Grad auf unseren Camping-Stuehlen darauf, dass die Sonne endlich aufging und wir uns die Katastrophe im Auto naeher anschauen konnten.
Eine Katastrophe war es wirklich...da leistet man sich einmal die teuren Schokocookies und dann isst sie jemand anderes auf!
Auch unsere kompletten Nudelvorraete waren angeknabbert.
Doch nicht nur das, ihre Spuren liessen sich im kompletten Auto finden. Schokoflecken auf dem Sitz – Kruemel unter der Motorhaube – Pipi auf Saskias Brille und zu guter Letzt Maeusekacke in unserem Bett im Kofferraum.
Nach einer Komplettreinigung unseres Autos landeten wir, so wie wir waren bei McDonalds – in Herzchenhosen-Schlafanzug. Den Kaffee hatten wir uns nach dieser Nacht verdient.
Die naechste Nacht wurde nicht besser.
Dass wir unser Bett mit einer Maus teilten, hatten wir akzeptiert. Mit weiteren Besuchern hatten wir allerdings nicht gerechnet.
Um nicht noch mehr Ungeziefer ins Auto zu locken, hatten wir unser dreckiges Geschirr in einer verschlossenen Plastiktuete ausquartiert. Genau das war der Fehler! Dem Dingo war es naemlich egal, ob unser Geschirr verpackt war oder nicht!
Durchs Autofenster konnten wir beobachten, wie unser Topf sich gemeinsam mit dem Wildhund von uns verabschiedete!
Nachdem uns erst der Kocher explodiert ist, die Maus unsere Nudeln aufgegessen hatte und dann auch noch der Dingo den Topf klaute, beschlossen wir wenigstens unser Bett zu verteidigen. Mit Mausefallen und Nutella ging es auf Jagd! Wahrscheinlich hatten wir unseren Plan zu laut angekuendigt – nach 5 gemeinsamen Naechten verliess uns die Maus freiwillig!
Von nun an fuhren wir nur noch zu zweit mit Blinky quer durch Australien und wieder mussten wir uns irgendwie beschaeftigen.
“Ich sehe was, was du nicht siehst und das huepft vor uns ueber die Strasse...”
“Oh ne, nicht schon wieder ein Kaenguru!”
“Ich sehe was, was du nicht siehst und das schaut dumm ueber den Zaun...”
“Entweder ein Emu, ein Emu-Paerchen, eine Emu-Familie oder ein Emu-Baby!”
“Ich sehe was, was du nicht siehst und das hat mal gelebt...”
“Igitt, schon wieder ein totes Tier, fahr bloss nicht schon wieder drueber!”
“Ich sehe was, was du nicht siehst und das geht geradeaus...”
“Jaa ich weiss, die Strasse geht immernoch geradeaus, kannst du nicht mal ein paar Kurven fahren?!”
“Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist gruen mit weisser Schrift...”
“Juhu, das Ortsschild von Mackay!”
Nach 7 Tagen hatten wir es endlich geschafft. Wir sind an der Ostkueste angekommen!
Ps.: Wie immer wollten wir das Ganze eigentlich mit ein paar Bildern veranschaulichen, doch leider hat sich unser Fotokabel auch von uns verabschiedet. Wir sind uns nicht so ganz sicher, ob es Blinky geschluckt hat oder es sich einer unserer vielen Besucher ausgeliehen hat. Wir setzen alles daran, unser Fotokabel zurueckzubekommen, damit beim nachsten Blog wieder alles besser wird!
Unser etwa 6450km - Route quer durch den Kontinent:
Von Exmouth 850 km die Kueste runter bis in die erste Stadt Geraldton
Quer durch bis Coolgardie
Weiter durch Norseman
Die Suedkueste entlang, ueber die Grenze nach South Australia bis Ceduna
Weiter nach Port Augusta, nach weiteren 2750 km die naechste Stadt
Ueber die Grenze nach New South Wales nach Broken Hill
Weiter bis Cobar
Senkrecht nach oben ueber die Grenze nach Queensland bis Barcaldine
Weiter nach Emerald
Und schliesslich nach weiteren 2850 an die Kueste nach Mackay
Primaer zu erkennen am Kleidungsstil. 2 kurze Hosen, 5 T-Shirts, 1 Paar Flip Flops - alles bunt miteinander kombiniert, egal ob passend oder nicht. Was nicht passt, wird passend gemacht und mit Sonnenbrille sieht man sowieso gut aus. Diese wenigen Kleidungsstuecke sehen allerdings einzeln auch nicht so wirklich gut aus - Flecken und Loecher gehoeren zum Alltag.
Falls man sich jetzt noch nicht sicher ist, ob man einen Backpacker vor sich hat, schaut man sich einfach seinen Kopf an.
Maennliche Backpacker sind vor allem daran zu erkennen, dass sie mindestens einen 3-Tage-Bart oder besser gesagt einen 7-Tage-Bart haben.
An weiblichen Backpacker erkennt man an der Haarlaenge und der Splissmenge, wie lange sie schon unterwegs sind.
Wo schlaeft eigenlich ein Backpacker?
Die komfortabelste und naheliegendste Moeglichkeit ist natuerlich auf der Luftmatratze im Zelt auf einem Campingplatz. Mit Campkitchen und Duschen ist das aber auch das teuerste Vergnuegen. Schafft man es dort dann, sein Zelt gegend den Wind aufzubauen und mit Heringen im meist zu harten Boden zu befestigen, kann man sich ueber ein schuetzendes Dach ueber dem Kopf freuen. Geschuetzt wird man von diesem Dach allerdings nur, wenn man es auch aufbaut. Noerdlich ist es oft so heiss, dass nur das fliegenartige Unterzelt aufgebaut wird, als Schutz vor Insekten. Das kann unter Umstaenden nachts zu verwirrenden Situationen fuehren:
'Oh heute Nacht ist es endlich wieder angenehmer!'
'Das fuehlt sich aber gut an!'
'Haeh, haben wir einen Rasensprenkler vorm Zelt? Egal, es tut gut!'
'Moment, wo kommt eigentlich das Wasser her?'
'Warum ist das Zelt nicht mehr dicht?'
'Stimmt, wir haben gar kein Zelt aufgebaut!'
'Scheisse es regnet!'
'Egal, wenn die neben mir nicht reagiert, kann es nicht so schlimm sein!'
'Wird schon wieder aufhoeren!'
'Wobei halt, wenn es hier regnet, regnet es doch meistens richtig?!'
'Oh nein, wo ist eigentlich das Ueberzelt und warum liegen wir im Regen?'
Das Zelt ganz oder nur halb aufbauen kann man auch auf den schon bekannten Free Campgrounds, die meistens ziemlich schoen im Nationalpark oder am Meer gelegen sind. Auf Duschen muss man hier leider verzichten, dafuer hat man Plumpsklos oder gar keine Klos.
Reicht es fuer alle diese Moeglichkeiten nicht, weil man zu weit entfernt vom naechsten Campingplatz ist, bleibt nur noch ein Parkplatz am Highway. Natuerlich baut man sein Zelt nicht mitten am Highway auf, sondern schlaeft dort im Auto. Dann heisst es also Tetris Level 3 und den gesamten Inhalt aus dem Auto auf die beiden Vordersitze und in die Fussraeume verpacken. Rueckbank umklappen - 1 Decke als Unterlage - 2 Schlafsaecke drueber - noch 1 Decke - 4 Kissen drauflegen - Tueren absperren - umdrehen - schlafen.
Oder zumindest versuchen, zu schlafen. Besonders idyllisch ist es naemlich nicht, direkt am Highway. Wenn man es geschafft hat, den LKW-Laerm auszublenden, muss man sich nur noch mit den Tieren anfreunden. Zur Auswahl stehen Spinnen, Killervoegel, Fliegen und Moskitos.
Die Moskitos sind manchmal so penetrant, dass es Backpacker geben soll, die nachts aus ihrem Auto ausziehen, um ihren Schlaf auf einer Steinbank neben einer Raeucher-Moskito-Kerze direkt am Highway fortzusetzen.
Wie waescht sich eigentlich ein Backpacker?
Wenn alles gut laeuft, auf dem Campingplatz mit Waschbecken und Dusche. Wenn es nicht so gut laeuft, zwar mit Waschbecken und Dusche, aber leider nur mit Salzwasser aus dem Wasserhahn. Zaehneputzen ist dann besonders angenehm ... Haarewaschen macht auch wirklich Spass. Verbringt man die Nacht auf einem Free Campground oder am Highway stellen Kleinigkeiten, wie Zaehneputzen kein Problem dar. Denn organisierte Backpacker haben schliesslich einen Wasserkanister dabei.
Beim Duschen wird das schon schwieriger. Befindet man sich in Kuestennaehe und kommt dann an einer Stadt oder einem Dorf vorbei hat man die Chance auf eine Stranddusche. Ja, es soll Backpacker geben, die sich mitten in der Stadt unter die Dusche stellen und sich die Haare waschen oder sich die Beine rasieren. Sind keine oeffentlichen Duschen in Sicht, bleibt nur noch auf dem Highway links rausfahren, Wasserflaschen raus und los geht das Badevergnuegen. Ist man auf laengeren Strecken unterwegs und hat im wasserarmen Australien keine Moeglichkeit seine Wasservorraete regelmaessig aufzufuellen bleibt nur noch eins...Duschen faellt aus!
Was isst eigentlich ein Backpacker?
Gestartet wird der Tag ausgewogen wie jeden Morgen mit Toastbrot und Marmelade. Verbringt man die Nacht auf einem Campingplatz vielleicht sogar mit Toaster.
Mittags gibt es dann Toast mit Sandwich-Kaese. Hat man Glueck und findet einen oeffentlichen Grill, ab und zu auch mal getoastet.
Abends wird dann richtig ausgepackt. Zur Verfuegung stehen 1 Campingkocher und 1 Topf...wenn es gut laeuft auch ein 2.Topf - aber trotzdem nur 1 Kocher. Was kann man also mit einem Kocher und einem Topf kochen?
Genau - Nudeln mit Tomatensosse. Aber auch damit kann man variieren. Zum Beispiel mit Dosengemuese in der Sosse. Wird einem Tomatensosse zu rot, kann man auch weisse Sosse nehmen. Man kann aber auch die Nudeln variieren oder sogar verschiedene Nudeln miteinander mischen. Kann man keine Nudeln mehr sehen, kann man sie auch durch Reis ersetzen. Den isst man dann mit Dosengemuese oder...Tomatensosse!
Wie fuehrt eigentlich ein Backpacker seinen Haushalt?
Haushalt ist vielleicht zu viel gesagt...alles was ein Backpacker besitzt, befindet sich in seinem Auto.
Trotzdem muessen Dinge, wie beispielsweise der Abwasch taeglich erledigt werden. Nur wie ohne ausreichend Wasser? Der grobe Dreck wird zuerst mit Zewa ausgeputzt und dann mit dem Wasser, aus dem Wasserkanister vorgespuelt. Dann wird alles fachgerecht in eine Plastiktuete verpackt und so lange im Auto spazieren gefahren, bis man einen Wasserhahn oder eine oeffentliche Toilette findet; die es hier zum Glueck in fast jedem Dorf gibt.
Hat man dann eine solche Toilette gefunden braucht man mindestens 5 Haende zum Spuelen. 2 Hanede zum Abspuelen, in dem Waschbecken, das nicht mal so gross, wie der Topf ist; 1 Hand, um den Wasserhahn festzuhalten, da das Wasser sonst keine fuenf Sekunden laeuft und 2 Haende zum Abtrocknen und Geschirr festhalten. Es soll allerdings Backpacker geben, die zusammen insgesamt nur 4 Haende haben... Ist man ausnahmsweise mal wieder auf einem Campingplatz angekommen, faellt dann ab und zu ein Grosswaschtag an. Hier kann man aus der Art der Waschmaschine waehlen. Entweder man entscheidet sich fuer das etwas guenstigere Modell, das die Waesche mit Salzwassser waescht oder man investiert etwas mehr Geld und darf dann seine Waesche mit frischem Wasser waschen, aber dafuer kalt.
Ihr erinnert euch noch an die Flecken, die den Backpacker so individuell machen? Jetzt wisst ihr, wo sie herkommen!
Warum tut sich das ein Backpacker eigentlich an?
Auf den ersten Blick hoert sich das jetzt vielleicht etwas unangenehm an. Davon kann aber keine Rede sein, da man jeden Tag so viele Dinge erlebt und so viele Eindruecke sammelt. Auch der Spassfaktor kommt bei diesem etwas anderen Leben natuerlich nie zu kurz.
Also heisst es jeden Morgen voller Vorfreude ins Auto steigen und warten, was der Tag so bringt.
4 Betten – 1 Kleiderschrank – Tisch und Stuehle – ein eigener Eingang – Bad und Klo getrennt – vor der Tuer ein Schlafplatz fuer Blinky – und wenn wir aus dem Fenster schauen, schauen wir ins Gruene.
Herzlich Willkommen in unserer Viertel-Haus-Haelfte in Perth!
Ok...eigentlich ist es nu rein Cabin auf einem Campingplatz, der aussieht, wie ein ehemaliges Militaergelaende. Ihr fragt euch trotzdem, wo auf einmal der ganze Luxus herkommt?
Ganz einfach, Zelten durften wir hier nicht und nachdem wir einen wahnsinnigen Rabatt rausgeschlagen haben, dachten wir uns, ‘hier bleiben wir’!
So sassen wir also in unserer Viertel-Haus-Haelfte und versuchten unseren Trip an die Westkueste vorzubereiten.
Da sogar uns klar war, dass es nicht ganz ohne ist mit einem alten Auto so lange Strecken zu fahren, wollten wir Blinky nochmal in der Werkstatt unseres Vertrauens durchchecken lassen. Fertig durchgecheckt konnten wir Blinky abends wieder abholen. Ein bisschen nervoes zog es uns schon frueher als ausgemacht zur Werkstatt zurueck. Nur wie ohne Auto? Naja...Daumen raus, denn irgendwie kommt man schon ans Ziel!
In der Werkstatt schafften wir es, so nett zu laecheln, dass Anthony Blinky umsonst operierte und ihn sogar mit neuem Oel fuetterte. Mit einem durchgechecktem Auto ging es dann los Richtung Westkueste.
Unser erster Stop: Die weissen Sanduenen von Lancelin
Unser Plan: Mit dem Sandboard von oben nach unten. Irgendwie hochkommen – Board bereitlegen – auf dem Hintern wieder runter.
Fazit: Wir fuehlen uns jetzt auch wie eine Sandduene – von oben bis unten voll mit Sand!
Danach kam, was immer kommt...eine Nacht im Zelt! Die mit Abstand windigste Nacht, die wir bis dahin hatten. Etwas unentspannt lagen wir im Zelt und beobachteten, wie unser Dach ueber dem Kopf sich im 90 Grad-Winkel nach rechts und links beugte. Wie lange halten Zeltstangen das wohl aus?
Diese Nacht haben sie es auf jeden Fall ausgehalten und wir konnten uns auf den Weg in die Pinnacles-Desert machen. Eine Wueste – viele Steine – und wir mit Blinky mittendrin.
Saskia: „Oh schau mal, da ist ein Stein“
Suse: „Oh da sind noch mehr Steine“
Saskia: „Oh da sind ganz viele Steine“
Suse: „Oh da ist alles voll mit Steinen“
Ihr merkt schon, wir waren sehr beeindruckt von dieser riessengrossen Steinlandschaft!
Auch am naechsten Tag wartete ein ganz besonderes Highlight auf uns. Ausversehen abgebogen landeten wir am Ellendale Pool und waren uns mal wieder einig, dass nicht geplante Streckken zu den schoensten Zielen fuehren.
Ein Tag spaeter wartete der zweite Pink Lake unserer Australienreise auf uns. Haben wir letztes Mal behauptet, dass der Pink Lake pink war? Jetzt wissen wir was ‚pink‘ wirklich bedeutet!
Unser naechster Stop: Kalbarri
Mal wieder zog es uns dort in den Nationalpark. Mit Fliegennetz um den Kopf ging es los. Ihr fragt euch, was fuer ein Fliegennetz? Die ganze Westkueste laeuft mit so einem strumpfmaskenaehnlichem Teil um den Kopf rum. Anders sind die Fliegenmassen nicht auszuhalten. Von nun an fuehlen wir mit jeder Kuh mit, die wir sehen.
Mit Strumpfmaske auf dem Kopf konnten wir den Anblick dann auch geniessen. Der Lookout ueber dem Murchison River war ja ganz nett, Fotos machen auch, aber zufrieden waren wir noch nicht. Wir wollten lieber IM Bild stehen.
Wie die Geschichte weiterging, koennt ihr euch bestimmt denken...wir suchten uns einen Weg nach unten. Ueber Stock und Stein, ueber Berg und Tal kletterten wir nach unten. Ueber die Leiter den 5-Meter-Felsen hoch, auf dem Hintern unseren Sachen (die wir voraus geworfen hatten, damit wir die Haende frei hatten) hinterher. Zwischendurch ueberlegten wir uns, wer uns wohl retten kommen wuerde, falls wir abstuerzen.
Aber keine Sorge, nachdem wir den River erreicht hatten, kamen wir auch wohlauf wieder oben am Fotopunkt an.
Mit Blinky gemeinsam versuchten wir schliesslich, wieder aus dem Nationalpark rauszufahren. Haben wir schon erwaehnt, dass wir diese Strassen hier einfach lieben? Es ist besser als Achterbahn fahren. Von einem Schlagloch ins naechste...von der linken Spurrille in die rechte und wieder zurueck...da kann man schonmal das Gefuehl haben, man sitzt in der Wilden Maus.
Irgendwann mussten auch wir einsehen, dass manche Strassen mit Blinky nicht befahrbar waren...so gerne wir es auch ausprobiert haetten. Also mieteten wir uns ein Gefaehrt mit 4-Rad-Antrieb – ein Quad musste her. Endlich konnten wir all die Wege befahren, fuer die uns Blinky zu schade war. Wieder ging es von Spurrille zu Spurrille, ueber Stock und Stein, durch Sand und Matsch, Berge hoch und Berge runter...ihr koennt euch vorstellen, wie wir danach aussahen. Unseren Spass hatten wir trotzdem.
Erstmal genug von Stock und Stein ging es wieder direkt an die Kueste.
Unser naechste Ziel: die Delfine von Monkey Mia. Nicht irgendwelche Delfine – sondern echte Delfine!
Die waren uns allerdings etwas zu brav – wir wollten Haie sehen! Leider schwammen die nicht wie die Delfine vor unseren Fuessen herum – wir konnten sie nur von Weitem sehen. Aber seid beruhigt, diesmal stiegen wir nicht vom Aussichtspunkt nach unten.
Von diesen Urlaubs- und Touristenstrapazen mussten wir uns dann erstmal erholen.
Ein Strand – zwei Strandtuecher – ein Sonnenschirm – tuerkisblaues Meer – ueberall Muscheln – und wir mittendrin. Wir sind am Shell Beach angekommen. Warum Shell Beach? Ganz einfach, Sandstrand kann ja jeder haben! Wir hatten einen Muschelstrand, ein ganzer Strand nur aus Muscheln.
Noch tuerkiseres Meer sahen wir in Exmouth am Turqouise Bay. Dieses Karibik-Feeling wollten wir auch ueber Nacht geniessen und schlugen unser Zelt direkt im Cape Range Nationalpark hinter den Sandduenen auf.
Hatten wir vorhin gesagt, dass ihr euch keine Sorgen machen braucht, dass wir uns Haie aus der Naehe anschauen? In Coral Bay ging es mit Taucherbrille auf der Nase und Schnorchel im Mund direkt im Korallen-Riff auf Haisuche. Und wer suchet, der findet...direkt unter uns zogen die 1,50m langen Haie ihre Bahnen.
Eigentlich sollte es dann von hier weiter Richtung Norden gehen, aber was waeren Plaene, wenn man sie nicht aender muesste? Diesmal aenderten allerdings nicht wir die Plaene, sondern die Regenzeit, die dieses Jahr so schlimm wie schon seit Jahren nicht mehr ist. Wir mussten einsehen, dass Blinky nicht durch Wasser und ueber weggespuelte Bruecken haette fahren koennen. Also hiess es zurueck fahren an die Suedkueste. Von dort wird es weiter nach Port Augusta gehen...dort machen wir dann einen neuen Plan...
Unsere Route vom 16.3.2011 – 27.3.2011 an der Westkueste entlang:
-Von Perth in die Sandduenen nach Lancelin
-Weiter nach Cervantes und in die Pinnacles-Desert
-Nach mehrere Kuestenstops und einem Schwimmstop im Ellendale Pool schliesslich weiter nach Geraldton, die einzige Stadt auf unserer Route
- Weiter nach Port Gregory zum Pink Lake
- In den Kalbarri Nationalpark zum Quadfahren und runter an den Murchison River
-Nach Denham und weiter nach Monkey Mia zu den Delfinen
-Beim Verlassen der Halbinsel ein Halt am Shell Beach
-Hoch bis Exmouth in den Cape Range Nationalpark
- Ein Stueckchen runter nach Coral Bay ins Wasser zu den Haien